Terminservicestelle 116117: So kommen Sie schneller zum Facharzt
116117 — die wichtigste Nummer, die kaum jemand kennt
Fragen Sie mal in Ihrem Freundeskreis: Wer kennt die 116117? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die meisten mit den Schultern zucken. Dabei ist diese Nummer für gesetzlich Versicherte potenziell Gold wert. Denn hinter der 116117 steckt die Terminservicestelle — eine gesetzlich vorgeschriebene Einrichtung, die Ihnen innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin vermitteln muss.
Ja, Sie haben richtig gelesen: vier Wochen, nicht vier Monate. Und das ist kein freiwilliger Service der Krankenkassen, sondern ein gesetzlicher Anspruch, festgeschrieben im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) von 2019. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Schauen wir uns an, wie das in der Praxis funktioniert — mit allen Stärken und Schwächen.
Was ist die Terminservicestelle genau?
Die Terminservicestellen werden von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) betrieben — also den Organisationen, die auch für die Zulassung der Kassenärzte zuständig sind. Es gibt in jedem Bundesland eine eigene KV, und jede betreibt ihre eigene Terminservicestelle. Die 116117 ist die bundesweit einheitliche Telefonnummer, die Sie automatisch an die zuständige Stelle in Ihrer Region weiterleitet.
Gegründet wurden die Terminservicestellen bereits 2016, aber erst mit dem TSVG 2019 bekamen sie richtig Zähne. Seitdem gelten klare Fristen und Pflichten, die über das hinausgehen, was vorher eher als unverbindliches Angebot existierte.
Neben der telefonischen Erreichbarkeit gibt es den eTerminservice — das Online-Portal unter eterminservice.de, über das Sie rund um die Uhr Terminanfragen stellen können. Gerade für Menschen, die tagsüber keine Zeit zum Telefonieren haben, ist das eine praktische Alternative.
So funktioniert die Terminvermittlung Schritt für Schritt
Der Ablauf ist im Grunde unkompliziert, auch wenn er manchmal Geduld erfordert.
Schritt 1: Überweisung besorgen. Für die meisten Fachrichtungen brauchen Sie eine Überweisung vom Hausarzt. Ausnahmen: Augenärzte, Gynäkologen, Kinderärzte und Psychotherapeuten — diese können Sie auch ohne Überweisung über die 116117 anfragen. Falls Ihr Fall dringend ist: Bitten Sie den Hausarzt um einen Dringlichkeitscode. Dieser zwölfstellige Code beschleunigt die Vermittlung erheblich.
Schritt 2: 116117 anrufen oder online anfragen. Am Telefon werden Sie nach Fachrichtung, PLZ und — falls vorhanden — Dringlichkeitscode gefragt. Online geben Sie diese Daten in ein Formular ein. Der Prozess dauert am Telefon etwa 5 bis 10 Minuten, online geht es schneller.
Schritt 3: Terminvorschlag abwarten. Die Terminservicestelle hat jetzt maximal eine Woche Zeit, Ihnen einen konkreten Terminvorschlag zu machen. Bei Dringlichkeitscode kann es deutlich schneller gehen — manchmal innerhalb von 24 Stunden.
Schritt 4: Termin annehmen oder ablehnen. Sie bekommen einen konkreten Vorschlag: Arzt, Ort, Datum, Uhrzeit. Der Arzt muss in zumutbarer Entfernung liegen — was je nach Region 30 bis 60 Minuten Fahrzeit bedeutet. Sie können den Termin annehmen oder ablehnen. Allerdings: Wenn Sie ohne triftigen Grund mehrfach ablehnen, kann die Terminservicestelle die Vermittlung einstellen.
Die Vierwochenfrist: Was genau bedeutet sie?
Die gesetzliche Frist besagt: Innerhalb von vier Wochen nach Kontaktaufnahme muss Ihnen ein Termin vermittelt werden. Achtung — das heißt nicht, dass der Termin selbst innerhalb von vier Wochen stattfinden muss. Es heißt, dass Ihnen innerhalb dieser Frist ein Terminangebot gemacht wird. Der Termin selbst kann theoretisch auch fünf oder sechs Wochen in der Zukunft liegen.
Gelingt es der Terminservicestelle nicht, innerhalb der Frist einen niedergelassenen Facharzt zu finden, muss sie Ihnen einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus anbieten. Das ist die sogenannte Auffangregelung — und sie ist ein wichtiges Druckmittel, denn Krankenhausbehandlungen sind für das System teurer als ambulante Versorgung.
In der Praxis passiert das allerdings selten. Die meisten Terminservicestellen schaffen es, innerhalb der Frist einen niedergelassenen Facharzt zu finden — auch wenn der manchmal etwas weiter entfernt ist, als Sie es sich wünschen würden.
Der eTerminservice: Online zum Facharzttermin
Die digitale Variante der Terminservicestelle hat in den letzten Jahren deutlich an Qualität gewonnen. Über eterminservice.de können Sie:
Direkt nach freien Facharztterminen in Ihrer Nähe suchen. Manche KVen zeigen freie Slots in Echtzeit an — ähnlich wie auf Doctolib oder Jameda, nur eben als offizieller Service der Kassenärztlichen Vereinigung. Nicht überall ist das Angebot gleich gut ausgebaut, aber der Trend geht klar in Richtung mehr Transparenz und mehr Online-Buchungsmöglichkeiten.
Terminanfragen stellen, auch außerhalb der Telefonzeiten. Das ist besonders praktisch, wenn Sie berufstätig sind und nicht während der Sprechzeiten telefonieren können. Sie geben Ihr Anliegen, Ihre PLZ und Ihre Versichertendaten ein, und die Terminservicestelle meldet sich zurück — per E-Mail oder telefonisch.
In manchen Bundesländern können Sie sogar die 116117-App nutzen. Die App bündelt Terminsuche, Bereitschaftsdienstsuche und Gesundheitsinformationen an einem Ort. Die Bewertungen im App Store sind gemischt, aber die Funktionalität wird kontinuierlich verbessert.
Das TSVG: Welche Rechte haben Sie seit 2019?
Das Terminservice- und Versorgungsgesetz war ein echtes Reform-Paket. Neben der Stärkung der Terminservicestelle brachte es weitere Änderungen, die für Kassenpatienten relevant sind:
Offene Sprechstunden: Kassenärzte müssen mindestens 25 Sprechstunden pro Woche anbieten (vorher 20). Davon müssen mindestens fünf Stunden als offene Sprechstunde ohne Terminvereinbarung zugänglich sein. Das heißt: Sie können einfach kommen, ohne vorher anrufen zu müssen. Die Wartezeit vor Ort kann lang sein — aber immerhin bekommen Sie am selben Tag eine Behandlung.
Schnellere Aufnahme neuer Patienten: Kassenärzte bekommen seit dem TSVG einen finanziellen Bonus, wenn sie Neupatienten zeitnah aufnehmen. Das soll den wirtschaftlichen Anreiz schaffen, nicht nur Bestandspatienten zu versorgen, sondern auch neue Patienten schneller einzubestellen.
Psychotherapie: Die Terminservicestelle vermittelt seit dem TSVG auch psychotherapeutische Sprechstunden — die erste Orientierungssitzung, in der geklärt wird, ob und welche Therapie sinnvoll ist. Das ist keine Therapie selbst, aber ein wichtiger erster Schritt, besonders angesichts der oft monatelangen Wartezeiten in der Psychotherapie.
Was die 116117 abdeckt — und was nicht
Die Terminservicestelle kann Ihnen Termine bei allen Fachärzten vermitteln, die eine KV-Zulassung haben. Das umfasst praktisch alle gängigen Fachrichtungen: Orthopädie, Kardiologie, Neurologie, Dermatologie, Gastroenterologie und viele mehr.
Aber es gibt Grenzen:
Keine Wunschärzte. Sie können nicht sagen: "Ich will einen Termin bei Dr. Schmidt in der Mozartstraße." Die Terminservicestelle vermittelt den nächsten verfügbaren Arzt — und der kann auch in einer Nachbarstadt sitzen. Das ist für manche Patienten ein Problem, besonders wenn sie bereits eine Arzt-Patienten-Beziehung aufgebaut haben.
Keine Garantie für Wunschtermine. Sie bekommen einen Termin, aber nicht unbedingt dienstags um 14 Uhr. Flexibilität bei der Terminwahl erhöht Ihre Chancen auf eine schnelle Vermittlung erheblich.
Keine reinen Privatärzte. Die Terminservicestelle vermittelt nur an Vertragsärzte mit KV-Zulassung. Wenn Sie zu einem reinen Privatarzt möchten, müssen Sie das selbst organisieren.
Begrenzte regionale Verfügbarkeit. In Regionen mit wenigen Fachärzten — ländliche Gebiete in Ostdeutschland, manche Teile Bayerns oder Niedersachsens — hat auch die Terminservicestelle Schwierigkeiten. Sie kann nur vermitteln, was vorhanden ist. Wenn es im Umkreis von 60 Minuten nur einen Rheumatologen gibt und der drei Monate ausgebucht ist, kann auch die 116117 nicht zaubern.
Erfahrungen aus der Praxis: Funktioniert die 116117 wirklich?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Die Erfahrungen variieren stark nach Bundesland, Fachrichtung und Dringlichkeit.
In Bundesländern mit gut ausgebauten Terminservicestellen — etwa Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg oder Bayern — funktioniert die Vermittlung oft erstaunlich gut. Patienten berichten von Terminen innerhalb einer Woche, manchmal sogar am nächsten Tag bei Vorliegen eines Dringlichkeitscodes.
In anderen Regionen hapert es noch. Lange Telefonwartezeiten bei der 116117 selbst, eingeschränkte Online-Funktionalität, oder Terminangebote bei Ärzten, die so weit entfernt liegen, dass die Anfahrt unzumutbar wird. Das sind reale Probleme, die nicht beschönigt werden sollten.
Was hilft: Nutzen Sie sowohl die telefonische als auch die Online-Variante. Manchmal sind über den eTerminservice Termine sichtbar, die telefonisch nicht angeboten werden — und umgekehrt. Und haben Sie Ihren Dringlichkeitscode parat: Der macht in der Praxis einen spürbaren Unterschied.
Tipps für die optimale Nutzung der 116117
Aus den Erfahrungen vieler Patienten lassen sich ein paar praktische Empfehlungen ableiten:
Rufen Sie früh morgens an — montags bis freitags ab 7 Uhr. Die Telefonleitungen sind dann weniger belastet als zur Mittagszeit. Alternativ: Nutzen Sie den eTerminservice online, der rund um die Uhr erreichbar ist.
Haben Sie Ihre Versichertenkarte und Ihre Überweisung griffbereit, wenn Sie anrufen. Je schneller das Gespräch geht, desto besser für alle.
Seien Sie flexibel bei Ort und Zeit. Wenn Sie nur einen Arzt im eigenen Stadtteil akzeptieren, schränken Sie die Vermittlungsmöglichkeiten erheblich ein. Ein Termin beim Orthopäden in Düsseldorf statt in Köln? Dreißig Minuten Fahrt für einen Termin, der sonst Wochen dauern würde — das ist ein fairer Deal.
Fragen Sie Ihren Hausarzt gezielt nach dem Dringlichkeitscode. Nicht alle Hausärzte vergeben ihn proaktiv, aber die meisten stellen ihn auf Nachfrage aus, wenn Ihr Anliegen medizinisch begründet ist. Die Wartezeit auf den Facharzt kann sich dadurch dramatisch verkürzen.
Dokumentieren Sie alles. Wann Sie angerufen haben, welche Terminangebote Sie bekommen haben, warum Sie eventuell abgelehnt haben. Falls es Probleme gibt, haben Sie so eine lückenlose Chronologie — nützlich für Beschwerden bei der Krankenkasse oder der KV.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich die Terminservicestelle nutzen, oder kann ich auch direkt beim Facharzt anrufen?
Sie können selbstverständlich weiterhin direkt bei Facharztpraxen anrufen. Die 116117 ist ein zusätzliches Angebot, kein Ersatz. Am effektivsten ist es, beides parallel zu nutzen: Suchen Sie selbst nach Terminen bei Ärzten in Ihrer Nähe, und starten Sie gleichzeitig eine Anfrage über die Terminservicestelle. So maximieren Sie Ihre Chancen auf einen schnellen Termin.
Was passiert, wenn die Terminservicestelle mir innerhalb von vier Wochen keinen Termin vermitteln kann?
Dann ist die KV verpflichtet, Ihnen einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus anzubieten. Das ist gesetzlich so festgelegt und soll sicherstellen, dass Sie auf jeden Fall eine Versorgung bekommen. In der Praxis passiert das selten, da die meisten Terminservicestellen innerhalb der Frist einen niedergelassenen Arzt finden. Aber es ist gut zu wissen, dass es diese Auffanglösung gibt.
Kann ich die 116117 auch für Kinder und Jugendliche nutzen?
Ja, uneingeschränkt. Für Kinder und Jugendliche vermittelt die Terminservicestelle Termine bei Fachärzten ebenso wie bei Kinderärzten und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Gerade bei Letzteren sind die Wartezeiten oft besonders lang, sodass die 116117 eine wichtige Anlaufstelle für Eltern ist. Eine Überweisung vom Kinderarzt ist für die Vermittlung an einen Kinder-Facharzt empfehlenswert, aber nicht zwingend erforderlich.