Impfungen für Erwachsene: Welche Auffrischungen brauche ich?
Wann haben Sie das letzte Mal in Ihren Impfpass geschaut? Falls Sie überhaupt noch wissen, wo er liegt. Die meisten Erwachsenen haben ihre Kindheitsimpfungen brav durchgemacht – U-Heft voll, Eltern zufrieden. Aber danach? Funkstille. Dabei empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch Institut eine ganze Reihe von Impfungen für Erwachsene, die regelmäßig aufgefrischt werden müssen. Und alle von der STIKO empfohlenen Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Tetanus, Diphtherie, Pertussis: Die Basisauffrischung alle zehn Jahre
Das ist der Klassiker, den fast jeder kennt – aber kaum jemand auf dem Schirm hat. Tetanus (Wundstarrkrampf) und Diphtherie sollten alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Und zwar lebenslang. Es gibt kein Alter, ab dem man "fertig" geimpft ist.
Seit 2009 empfiehlt die STIKO, bei der nächsten fälligen Auffrischung einmalig einen Kombinationsimpfstoff zu verwenden, der zusätzlich gegen Pertussis (Keuchhusten) schützt. Warum? Weil Keuchhusten unter Erwachsenen wieder zunimmt – und für Säuglinge, die noch nicht geimpft sind, lebensgefährlich sein kann. Wer Kontakt zu Neugeborenen hat (frischgebackene Großeltern, zum Beispiel), sollte den Pertussis-Schutz unbedingt aktuell halten.
Der Impfstoff heißt im Praxisalltag Tdap (Tetanus-Diphtherie-Pertussis) oder Tdap-IPV, wenn noch Polio dabei ist. Falls Ihre letzte Auffrischung mehr als zehn Jahre zurückliegt: Beim nächsten Arztbesuch einfach ansprechen. Ihr Hausarzt hat den Impfstoff in der Regel vorrätig.
Polio: Ist die nicht längst besiegt?
In Deutschland wurde der letzte Polio-Fall 1990 registriert. Trotzdem empfiehlt die STIKO, den Impfschutz gegen Kinderlähmung zu überprüfen. Wer als Kind vollständig geimpft wurde, braucht als Erwachsener keine routinemäßige Auffrischung. Aber: Wer gar nicht oder unvollständig geimpft ist, sollte das nachholen. Besonders vor Reisen in Gebiete, in denen Polio noch vorkommt (Teile Afrikas, Asiens).
Der Polio-Impfstoff ist im Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff enthalten. Falls Sie unsicher über Ihren Status sind – das lässt sich beim Arzt klären. Im Zweifelsfall wird nachgeimpft, Nebenwirkungen sind minimal.
Grippeimpfung: Jedes Jahr ab 60 – oder schon früher?
Die saisonale Grippeimpfung (Influenza) empfiehlt die STIKO jährlich für alle Personen ab 60 Jahren. Aber auch für jüngere Erwachsene kann sie sinnvoll sein – nämlich dann, wenn chronische Erkrankungen vorliegen (Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, Immunschwäche) oder wenn Sie in medizinischen Einrichtungen, Pflegeheimen oder anderen Berufen mit viel Personenkontakt arbeiten.
Schwangere sollten sich ab dem zweiten Trimester gegen Grippe impfen lassen. Das schützt nicht nur die Mutter, sondern auch das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten – der sogenannte Nestschutz.
Jedes Jahr ein neuer Piks? Ja, weil sich die Influenzaviren ständig verändern. Die Weltgesundheitsorganisation gibt jedes Frühjahr eine Empfehlung heraus, welche Virusstämme der Impfstoff für die kommende Saison enthalten soll. Die Impfung ist idealerweise im Oktober oder November fällig – also vor der Grippewelle, die typischerweise zwischen Januar und März ihren Höhepunkt erreicht.
Die Kosten übernimmt die Kasse vollständig. Geimpft wird beim Hausarzt, beim Internisten oder in einigen Betrieben auch über den Betriebsarzt.
COVID-19: Wie sieht die aktuelle Empfehlung aus?
Die STIKO-Empfehlungen zur COVID-19-Impfung haben sich seit 2021 mehrfach verändert. Stand 2026 empfiehlt die STIKO eine jährliche Auffrischung für Risikogruppen: Personen ab 60, Menschen mit Vorerkrankungen, Bewohner von Pflegeeinrichtungen und medizinisches Personal. Für gesunde Erwachsene unter 60 gibt es keine generelle Empfehlung zur jährlichen Auffrischung – hier soll individuell entschieden werden.
Die Impfstoffe werden an aktuelle Virusvarianten angepasst, ähnlich wie bei der Grippeimpfung. Falls Sie unsicher sind, ob eine Auffrischung für Sie sinnvoll ist: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Die Kosten werden von der Kasse übernommen, solange die Impfung den STIKO-Empfehlungen entspricht.
Gürtelrose (Herpes Zoster): Die Impfung ab 60
Gürtelrose kennen die meisten vom Hörensagen – aber wer sie hatte, vergisst sie nicht. Das Varizella-Zoster-Virus, das nach einer Windpocken-Infektion in den Nervenzellen schlummert, kann Jahrzehnte später reaktiviert werden. Die Folge: schmerzhafte Bläschen entlang eines Nervenstrangs, oft am Rumpf, manchmal im Gesicht. Und die Schmerzen können Monate anhalten – die sogenannte postherpetische Neuralgie.
Seit Dezember 2018 empfiehlt die STIKO die Gürtelrose-Impfung mit dem Totimpfstoff Shingrix für alle Personen ab 60 Jahren. Für Risikopatienten (Immunschwäche, schwere Grunderkrankungen) bereits ab 50. Zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten – und der Schutz liegt bei über 90 Prozent.
Die Kasse zahlt. Und die Impfung ist wirklich empfehlenswert: Etwa jeder Dritte erkrankt im Laufe seines Lebens an Gürtelrose, und das Risiko steigt mit dem Alter deutlich an. Gerade wer über 70 ist, profitiert enorm vom Impfschutz. Ihren Impftermin können Sie beim Hausarzt oder Dermatologen vereinbaren.
FSME: Pflicht für Zeckengebiete
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch Zecken übertragen und kann zu einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute führen. In Deutschland gelten weite Teile Bayerns und Baden-Württembergs, aber auch Teile von Hessen, Thüringen, Sachsen und anderen Bundesländern als FSME-Risikogebiete. Das Robert Koch Institut aktualisiert die Karte jährlich.
Die STIKO empfiehlt die FSME-Impfung für alle Personen, die in Risikogebieten leben oder dorthin reisen und sich dabei in der Natur aufhalten. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Dosen, Auffrischungen alle drei bis fünf Jahre. Die Kasse übernimmt die Kosten, wenn Sie in einem Risikogebiet wohnen oder dort arbeiten. Für Reisende in Risikogebiete erstatten viele Kassen die Impfung ebenfalls als Satzungsleistung.
Falls Sie gerne wandern, im Garten arbeiten oder Ihren Hund im Wald ausführen – und in einem Risikogebiet leben: Diese Impfung ist wirklich sinnvoll. FSME lässt sich nicht ursächlich behandeln, nur symptomatisch. Vorbeugung durch Impfung ist der einzig zuverlässige Schutz.
Pneumokokken: Schutz vor schwerer Lungenentzündung
Pneumokokken sind Bakterien, die Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen verursachen können. Für Erwachsene ab 60 empfiehlt die STIKO eine einmalige Impfung mit dem Polysaccharid-Impfstoff PPSV23. Bei Risikopatienten (chronische Lungen- oder Herzerkrankungen, Diabetes, Immunschwäche) auch schon früher.
Ob eine Auffrischung nötig ist, hängt vom individuellen Risiko ab. Fragen Sie Ihren Arzt. Was manchmal für Verwirrung sorgt: Kinder erhalten einen anderen Pneumokokken-Impfstoff (PCV13 oder PCV15/20). Bei Erwachsenen kommt je nach Indikation PPSV23 oder ein sequenzielles Schema zum Einsatz.
Impfkalender für Erwachsene: Die wichtigsten Termine
| Impfung | Wer? | Intervall |
|---|---|---|
| Tetanus / Diphtherie / Pertussis (Tdap) | Alle Erwachsenen | Alle 10 Jahre |
| Polio (IPV) | Unvollständig Geimpfte, Reisende | Nachholen / Einzelfallentscheidung |
| Influenza (Grippe) | Ab 60, Chroniker, Schwangere, med. Personal | Jährlich (Herbst) |
| COVID-19 | Ab 60, Risikogruppen | Jährlich (individuell) |
| Herpes Zoster (Gürtelrose) | Ab 60 (ab 50 bei Risiko) | 2 Dosen, dann kein Booster |
| Pneumokokken (PPSV23) | Ab 60, Chroniker | Einmalig (Auffrischung nach Indikation) |
| FSME | Bewohner/Reisende in Risikogebieten | Grundimmunisierung 3 Dosen, dann alle 3–5 Jahre |
| Masern | Nach 1970 Geborene ohne Nachweis | Einmalig (Nachholimpfung) |
Masern: Die Nachholimpfung für Erwachsene
Seit 2020 gilt in Deutschland das Masernschutzgesetz. Wer nach 1970 geboren ist und keinen ausreichenden Impfschutz nachweisen kann (zwei dokumentierte Impfungen oder ärztlich bestätigte Immunität), muss sich impfen lassen – zumindest dann, wenn er in bestimmten Einrichtungen arbeitet oder betreut wird (Kita, Schule, medizinische Einrichtungen).
Aber auch unabhängig von der Pflicht empfiehlt die STIKO: Alle nach 1970 Geborenen, die nur einmal oder gar nicht gegen Masern geimpft wurden, sollten eine Nachholimpfung erhalten. Warum die Grenze bei 1970? Wer vorher geboren wurde, hatte in der Regel als Kind Kontakt mit dem Wildvirus und ist natürlich immun.
Impfpass verloren? Was nun?
Das ist häufiger als man denkt. Und es ist kein Drama. Ihr Arzt kann den Impfstatus teilweise rekonstruieren – über die Praxisunterlagen, die Dokumentation beim Betriebsarzt oder anhand des Geburtsjahrs und der damals üblichen Impfschemata. Im Zweifelsfall wird einfach nachgeimpft. Eine "Überimpfung" gibt es praktisch nicht – das Immunsystem reagiert auf eine bereits bekannte Impfung einfach mit einer Auffrischung.
Für die Zukunft: Bewahren Sie den Impfpass zusammen mit Ihren wichtigen Dokumenten auf. Oder fotografieren Sie jede Seite und speichern Sie die Bilder digital. Manche Arztpraxen bieten auch eine elektronische Dokumentation an.
Impfungen gehören genauso zur Gesundheitsvorsorge in Deutschland wie der Check-up ab 35 oder die Krebsvorsorge. Idealerweise wird der Impfstatus bei jedem Check-up überprüft – fragen Sie aktiv danach, falls Ihr Arzt es nicht von sich aus anspricht.
Häufig gestellte Fragen zu Impfungen für Erwachsene
Übernimmt die Krankenkasse alle Impfungen?
Alle von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen – ohne Zuzahlung. Dazu gehören Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Influenza (für empfohlene Gruppen), Pneumokokken, Herpes Zoster und COVID-19. Reiseimpfungen (z. B. Hepatitis A, Gelbfieber) werden nicht immer übernommen, viele Kassen erstatten sie aber als freiwillige Satzungsleistung. Fragen Sie vorher bei Ihrer Kasse nach.
Kann ich mehrere Impfungen gleichzeitig bekommen?
Ja. Totimpfstoffe (wie Tetanus, Grippe, FSME, Gürtelrose) können problemlos am selben Tag verabreicht werden – gegebenenfalls in verschiedene Arme. Lebendimpfstoffe (wie MMR oder Varizellen) sollten entweder gleichzeitig oder mit mindestens vier Wochen Abstand gegeben werden. Ihr Hausarzt weiß, welche Kombinationen möglich sind.
Wie finde ich heraus, welche Impfungen mir fehlen?
Bringen Sie Ihren Impfpass zum nächsten Arzttermin mit – Ihr Arzt kann den Status prüfen und fehlende Impfungen identifizieren. Falls Sie keinen Impfpass mehr haben, kann der Arzt anhand Ihres Alters und der damals geltenden Impfempfehlungen eine Einschätzung vornehmen. Beim Check-up ab 35 ist die Überprüfung des Impfstatus seit 2019 ohnehin fester Bestandteil der Untersuchung.