Check-up ab 35: Was wird untersucht und wie oft?
Hand aufs Herz: Wann waren Sie das letzte Mal beim Arzt, obwohl Ihnen eigentlich nichts fehlte? Falls Sie jetzt nachrechnen müssen, sind Sie in bester Gesellschaft. Laut Robert Koch Institut nimmt nur etwa jeder zweite Berechtigte den Check-up ab 35 regelmäßig wahr. Dabei ist diese Vorsorgeuntersuchung komplett kostenlos, dauert selten länger als eine halbe Stunde – und kann im besten Fall Erkrankungen aufdecken, bevor sie zum Problem werden.
Was genau ist der Check-up 35?
Der offizielle Name lautet "Gesundheitsuntersuchung für Erwachsene". In der Praxis sagt jeder einfach Check-up 35 dazu. Es handelt sich um eine umfassende Vorsorgeuntersuchung, die alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren alle drei Jahre in Anspruch nehmen können – bezahlt von der Krankenkasse, ohne Zuzahlung, ohne Überweisung.
Durchgeführt wird der Check-up in der Regel von Ihrem Hausarzt oder Allgemeinmediziner. Auch Internisten mit hausärztlicher Zulassung können die Untersuchung vornehmen. Sie brauchen keinen speziellen Termin – fragen Sie einfach bei der nächsten Gelegenheit in Ihrer Praxis nach.
Was viele übersehen: Auch zwischen 18 und 34 Jahren gibt es einen einmaligen Gesundheits-Check. Der fällt etwas schlanker aus als der Check-up 35, deckt aber die wichtigsten Basisuntersuchungen ab. Wer also noch unter 35 ist und das liest – Sie haben ebenfalls Anspruch auf eine kostenlose Vorsorge.
Was wird beim Check-up 35 untersucht?
Der Ablauf folgt einem festen Schema, das der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in den Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinien festgelegt hat. Trotzdem kann der genaue Umfang von Praxis zu Praxis leicht variieren – manche Ärzte nehmen sich mehr Zeit als andere.
Die Anamnese: Ihre Krankengeschichte zählt
Am Anfang steht das Gespräch. Ihr Arzt fragt nach Vorerkrankungen, Medikamenten, familiären Belastungen (Herzinfarkt, Diabetes, Krebs in der Familie?), nach Ihrem Lebensstil – Rauchen, Alkohol, Bewegung, Ernährung. Seien Sie ehrlich. Es bringt niemandem etwas, beim Arzt die Sportgewohnheiten schönzureden.
Die Familienanamnese ist dabei wichtiger als viele denken. Hatte Ihr Vater vor 55 einen Herzinfarkt? Leidet Ihre Mutter an Typ-2-Diabetes? Solche Informationen helfen dem Arzt, Ihr persönliches Risikoprofil einzuschätzen – und gegebenenfalls engmaschiger zu kontrollieren.
Körperliche Untersuchung
Dann folgt die klassische Ganzkörperuntersuchung. Blutdruck messen, Herz und Lunge abhören, den Bauch abtasten, den allgemeinen körperlichen Zustand beurteilen. Auch der BMI wird ermittelt – wobei der allein natürlich wenig aussagt. Ein durchtrainierter Mensch kann laut BMI "übergewichtig" sein, während jemand mit Normalgewicht trotzdem ein ungünstiges Stoffwechselprofil haben kann.
Blutuntersuchung: Welche Werte werden geprüft?
Die Blutabnahme gehört zum Kern des Check-ups. Standardmäßig werden folgende Werte bestimmt:
- Gesamtcholesterin – ein erster Hinweis auf das kardiovaskuläre Risiko
- LDL- und HDL-Cholesterin – das "schlechte" und das "gute" Cholesterin
- Nüchternblutzucker (oder HbA1c) – zum Ausschluss von Diabetes oder Prädiabetes
Manche Ärzte bestimmen zusätzlich Triglyceride oder Leberwerte. Das ist zwar nicht vorgeschrieben, aber viele Praxen machen es routinemäßig mit – schließlich ist die Blutprobe ohnehin schon im Labor. Fragen Sie ruhig nach, welche Werte konkret getestet werden.
Urinuntersuchung
Ein einfacher Urin-Schnelltest gehört ebenfalls dazu. Geprüft werden Eiweiß, Glukose, rote und weiße Blutkörperchen sowie Nitrit. Auffällige Werte können Hinweise auf Nierenprobleme, Harnwegsinfekte oder Diabetes geben. Kein aufwendiges Verfahren – aber diagnostisch durchaus nützlich.
Was hat sich seit 2019 geändert?
Der G-BA hat den Check-up 2019 grundlegend überarbeitet. Die wichtigsten Neuerungen:
Hepatitis-Screening: Seit Oktober 2021 (die Umsetzung der 2019 beschlossenen Reform) gehört ein einmaliges Screening auf Hepatitis B und C zum Check-up. Das ist eine echte Verbesserung. Chronische Hepatitis-Infektionen verlaufen oft jahrelang ohne Symptome und können die Leber schwer schädigen. Hepatitis C ist heute in den meisten Fällen heilbar – aber nur, wenn man weiß, dass man betroffen ist.
Intervall geändert: Vor 2019 stand der Check-up alle zwei Jahre an. Jetzt sind es alle drei Jahre. Das klingt nach einer Verschlechterung, aber der G-BA hat gleichzeitig den Umfang erweitert. Unterm Strich soll die Qualität steigen, auch wenn die Frequenz sinkt.
Einmaliger Check für 18- bis 34-Jährige: Komplett neu eingeführt. Vorher gab es für diese Altersgruppe gar keine strukturierte Vorsorgeuntersuchung bei der Kasse. Allerdings ist der Bekanntheitsgrad noch ausbaufähig – viele junge Erwachsene wissen schlicht nicht, dass es dieses Angebot gibt.
Wie bereiten Sie sich auf den Check-up vor?
Viel Vorbereitung braucht es nicht, aber ein paar Dinge sollten Sie beachten. Für aussagekräftige Blutwerte empfehlen die meisten Ärzte, nüchtern zu kommen – also mindestens acht Stunden vorher nichts essen, Wasser trinken ist okay. Manche Praxen sind da mittlerweile flexibler, besonders seit der HbA1c-Wert (Langzeitblutzucker) keine Nüchternheit erfordert. Klären Sie das am besten telefonisch vorher ab.
Bringen Sie Ihren Impfpass mit. Die Überprüfung des Impfstatus gehört seit 2019 fest zum Check-up. Falls Auffrischungen fällig sind – etwa Tetanus oder Diphtherie –, können die gleich erledigt werden. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Mehr zum Thema Impfungen finden Sie in unserem Artikel zu Impfungen für Erwachsene.
Notieren Sie sich vorab Fragen, die Sie beschäftigen. Schlafen Sie schlecht? Haben Sie öfter Kopfschmerzen? Fühlen Sie sich häufig müde? Der Check-up ist eine gute Gelegenheit, solche Themen anzusprechen – im normalen Praxisalltag geht dafür oft die Zeit verloren.
Was passiert nach dem Check-up?
Die Laborergebnisse liegen in der Regel nach zwei bis fünf Werktagen vor. Manche Praxen rufen nur an, wenn etwas auffällig ist. Andere laden grundsätzlich zu einem Besprechungstermin ein. Falls Sie nach einer Woche nichts gehört haben – rufen Sie an und fragen Sie nach. Keine Nachricht ist nicht automatisch gute Nachricht; manchmal gehen Dinge im Praxisalltag unter.
Bei auffälligen Befunden wird Ihr Arzt weitere Diagnostik einleiten. Ein erhöhter Blutzucker führt etwa zu einem Glukosetoleranztest, erhöhte Cholesterinwerte zu einer Ernährungs- und Bewegungsberatung und gegebenenfalls zu einer medikamentösen Behandlung. Das ist ja gerade der Sinn der Vorsorge: Risikofaktoren erkennen, bevor sie Schaden anrichten.
Reicht der Check-up 35 als Vorsorge aus?
Ehrlich gesagt: nicht ganz. Der Check-up deckt wichtige Grundlagen ab – Herz-Kreislauf-Risiko, Diabetes, Nieren – aber eben nicht alles. Krebsvorsorge läuft über separate Programme. Das Hautkrebsscreening ist eine eigenständige Untersuchung (alle zwei Jahre ab 35). Und auch die zahnärztliche Vorsorge mit Bonusheft ist ein eigenes Thema.
Sehen Sie den Check-up 35 als Fundament Ihrer Vorsorge, nicht als Komplettpaket. Im Zusammenspiel mit den anderen Früherkennungsuntersuchungen ergibt sich ein solides Sicherheitsnetz – vorausgesetzt, Sie nutzen es auch. Einen vollständigen Überblick über alle Vorsorgeuntersuchungen bietet unser Leitfaden zur Gesundheitsvorsorge in Deutschland.
Was die Kasse zahlt – und was nicht
Der gesetzliche Check-up ist klar definiert und wird vollständig von der GKV übernommen. Darüber hinaus bieten viele Ärzte erweiterte Check-ups als Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) an: großes Blutbild, Schilddrüsenwerte, Vitamin-D-Spiegel, Ruhe-EKG, Belastungs-EKG. Diese Extras müssen Sie selbst bezahlen, die Kosten liegen je nach Umfang zwischen 30 und 150 Euro.
Ob sich das lohnt? Kommt auf Ihre Situation an. Wer familiär vorbelastet ist oder Risikofaktoren mitbringt, profitiert möglicherweise von einem erweiterten Screening. Für einen gesunden 36-Jährigen ohne Beschwerden reicht der Kassencheck in den meisten Fällen aus. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber – und lassen Sie sich nicht zu Leistungen überreden, die Sie nicht brauchen.
Ein Tipp: Schauen Sie in die Satzungsleistungen Ihrer Krankenkasse. Manche Kassen übernehmen freiwillig Zusatzuntersuchungen oder erstatten einen Teil der Kosten. Die Techniker Krankenkasse, Barmer und AOK haben beispielsweise unterschiedliche Zusatzangebote – ein Vergleich lohnt sich.
Häufig gestellte Fragen zum Check-up ab 35
Muss ich für den Check-up 35 nüchtern sein?
Für die Bestimmung des Nüchternblutzuckers empfehlen die meisten Ärzte, mindestens acht Stunden vorher nichts zu essen. Wasser und ungesüßter Tee sind erlaubt. Wird stattdessen der HbA1c-Wert bestimmt (Langzeitblutzucker), ist Nüchternheit nicht erforderlich. Klären Sie das am besten vorab mit Ihrer Praxis – die Handhabung variiert.
Kann ich den Check-up auch beim Facharzt machen lassen?
Grundsätzlich wird der Check-up 35 von Allgemeinmedizinern, praktischen Ärzten und Internisten mit hausärztlicher Zulassung durchgeführt. Ein reiner Facharzt (z. B. Kardiologe oder Orthopäde) kann den Check-up in der Regel nicht über die Kasse abrechnen. Falls Ihr Hausarzt bei der Untersuchung Auffälligkeiten feststellt, überweist er Sie gegebenenfalls an einen Spezialisten.
Was passiert, wenn ich den Check-up seit Jahren nicht gemacht habe?
Gar nichts – es gibt keine Strafe und keine Nachteile bei der Kasse. Sie können jederzeit wieder einsteigen. Melden Sie sich einfach bei Ihrem Hausarzt und vereinbaren Sie einen Termin. Falls Ihr letzter Check-up mehr als drei Jahre zurückliegt, haben Sie sofort wieder Anspruch. Und falls Sie noch nie einen gemacht haben: umso besser, jetzt damit anzufangen.