Gesundheitsvorsorge in Deutschland: Welche Untersuchungen zahlt die Kasse?

Wussten Sie, dass gesetzlich Versicherte in Deutschland Anspruch auf über 20 verschiedene Vorsorgeuntersuchungen haben – und die meisten davon nie nutzen? Laut dem Robert Koch Institut nimmt nur etwa die Hälfte der Berechtigten regelmäßig an Früherkennungsmaßnahmen teil. Dabei übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sämtliche Kosten für ein umfangreiches Vorsorgeprogramm, das vom Säugling bis zum Senior reicht. Die Gesundheitsvorsorge in Deutschland gehört zu den umfassendsten Systemen weltweit – man muss nur wissen, was einem zusteht.

Das deutsche Vorsorgeprogramm: Mehr als nur ein kurzer Check beim Hausarzt

Gesundheitsvorsorge in Deutschland: Welche Untersuchungen zahlt die Kasse?
Vorsorgeuntersuchungen nach Alter 0-6 U1-U9 Kindervorsorge (10 Termine) 12-14 J1 Jugendgesundheitsuntersuchung 18-34 Einmaliger Gesundheits-Check-up ab 20 Gynakologische Krebsvorsorge (jahrlich) — Frauen ab 35 Check-up 35 (alle 3 Jahre) Hautkrebsscreening (alle 2 Jahre) ab 45 Prostatakrebsvorsorge (jahrlich) — Manner ab 50 Darmkrebsvorsorge: Stuhltest + Darmspiegelung Mammographie-Screening 50-75 (alle 2 J.) — Frauen ab 65 Bauchaortenaneurysma-Screening (einmalig) — Manner Alle Untersuchungen werden von der GKV ohne Zuzahlung ubernommen. Nutzen Sie die Vorsorgetermine — Fruherkennung rettet Leben.

Wenn man ehrlich ist, denken die meisten beim Stichwort "Vorsorge" an den jährlichen Zahnarztbesuch. Vielleicht noch an den Gesundheits-Check-up. Aber das Spektrum ist erheblich breiter, als viele vermuten. Das Sozialgesetzbuch V (SGB V) regelt einen ganzen Katalog an Früherkennungsuntersuchungen, die ohne Zuzahlung verfügbar sind.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unterteilt das Vorsorgeprogramm grob in drei Lebensphasen: Kinder und Jugendliche, Erwachsene bis 35, und Erwachsene ab 35. Für jede Gruppe gibt es spezifische Untersuchungen mit festgelegten Intervallen. Und genau hier wird es spannend – denn seit 2019 hat sich beim Check-up einiges geändert.

Check-up 35: Der große Gesundheits-Check, den jeder kennen sollte

Früher hieß er "Gesundheitsuntersuchung", heute sprechen die meisten vom Check-up 35. Seit April 2019 haben alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf diese umfassende Untersuchung. Was viele nicht wissen: Zwischen 18 und 34 Jahren gibt es ebenfalls einen einmaligen Check-up – den nutzen aber die wenigsten.

Was passiert beim Check-up genau? Ihr Hausarzt oder Allgemeinmediziner führt eine gründliche Anamnese durch, misst Blutdruck, nimmt Blut ab (Cholesterin, Blutzucker) und untersucht den Urin. Seit 2019 gehört auch ein einmaliges Screening auf Hepatitis B und C dazu – eine sinnvolle Ergänzung, weil chronische Hepatitis-Infektionen oft jahrelang unbemerkt bleiben.

Viele Patienten berichten, dass der Check-up in der Praxis manchmal etwas kurz ausfällt – 15 Minuten, und schon ist man wieder draußen. Das liegt nicht unbedingt am Arzt, sondern am System: Die Vergütung durch die Kasse ist für diese Leistung nicht üppig. Trotzdem lohnt sich der Termin. Falls Sie sich gründlicher untersuchen lassen möchten, können Sie gezielt nach Zusatzleistungen fragen – einige Kassen bezuschussen erweiterte Check-ups als Satzungsleistung.

Was der Check-up 35 umfasst

UntersuchungDetailsIntervall
Anamnese & körperliche UntersuchungGanzkörperuntersuchung, Vorerkrankungen, FamilienanamneseAlle 3 Jahre ab 35
BlutuntersuchungGesamtcholesterin, LDL, HDL, NüchternblutzuckerAlle 3 Jahre ab 35
UrinuntersuchungEiweiß, Glukose, rote/weiße Blutkörperchen, NitritAlle 3 Jahre ab 35
Hepatitis-ScreeningEinmalig Hepatitis B und CEinmalig ab 35
Impfstatus-ÜberprüfungEmpfehlungen nach STIKO-ImpfkalenderBei jedem Check-up

Krebsvorsorge: Welche Untersuchungen stehen Ihnen zu?

Krebs frühzeitig erkennen – das klingt wie eine Selbstverständlichkeit. In der Praxis sieht es anders aus. Gerade Männer sind notorische Vorsorgemuffel, wenn es um die Krebsfrüherkennung geht. Dabei ist das Angebot beachtlich.

Krebsvorsorge für Frauen

Frauen haben ab 20 Jahren Anspruch auf eine jährliche gynäkologische Untersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Ab 30 kommt die Brustkrebs-Früherkennung durch Abtasten dazu. Und zwischen 50 und 69 Jahren gibt es alle zwei Jahre die Einladung zum Mammographie-Screening – ein organisiertes Programm, das über spezielle Screening-Einheiten läuft.

Das Mammographie-Screening-Programm ist übrigens eines der wenigen Programme, bei denen Sie aktiv eingeladen werden. Sie bekommen Post mit einem konkreten Terminvorschlag. Wer den Termin verpasst, kann sich an die zentrale Stelle wenden und einen neuen vereinbaren. Seit 2024 wurde die Altersgrenze auf 75 Jahre angehoben – eine Reaktion auf aktuelle Studienlage, die den Nutzen auch in dieser Altersgruppe belegt.

Ab 20 Jahren steht zudem der Pap-Abstrich an (jährlich bis 34), ab 35 dann kombiniert mit einem HPV-Test alle drei Jahre. Diese Umstellung auf das kombinierte Screening hat anfangs für Verwirrung gesorgt. Manche Frauen dachten, sie müssten gar nicht mehr jährlich zum Gynäkologen. Das stimmt so nicht – die jährliche klinische Untersuchung bleibt bestehen, nur der Abstrich-Rhythmus hat sich geändert.

Krebsvorsorge für Männer

Männer ab 45 haben Anspruch auf die jährliche Prostatakrebs-Früherkennung beim Urologen. Dabei tastet der Arzt die Prostata ab und untersucht die äußeren Geschlechtsorgane. Den PSA-Test (Bluttest auf prostataspezifisches Antigen) zahlt die Kasse allerdings nicht – er gilt als IGeL-Leistung und wird kontrovers diskutiert.

Warum ist das so? Die wissenschaftliche Evidenz zum PSA-Screening ist tatsächlich nicht eindeutig. Es gibt sowohl Studien, die einen Nutzen zeigen, als auch solche, die auf Überdiagnosen und unnötige Behandlungen hinweisen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat sich deshalb gegen eine generelle Empfehlung ausgesprochen. Eine individuelle Entscheidung mit dem Arzt bleibt natürlich möglich.

Hautkrebsscreening ab 35

Alle zwei Jahre können Versicherte ab 35 zum Hautkrebsscreening. Ein Dermatologe oder ein dafür geschulter Hausarzt schaut sich dabei die gesamte Hautoberfläche an – von der Kopfhaut bis zu den Zehenzwischenräumen. Das dauert in der Regel 15 bis 20 Minuten.

Ein Detail, das nicht jeder weiß: Einige Krankenkassen bieten das Hautkrebsscreening bereits ab 20 als Satzungsleistung an. Es lohnt sich, bei der eigenen Kasse nachzufragen. Angesichts steigender Hautkrebszahlen in Deutschland – das Robert Koch Institut verzeichnet über 270.000 Neuerkrankungen jährlich – ist diese Untersuchung wirklich sinnvoll.

Darmkrebsvorsorge: Stuhltest und Darmspiegelung

Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Die Vorsorge beginnt ab 50: Zunächst gibt es den jährlichen immunologischen Stuhltest (iFOBT), der verstecktes Blut im Stuhl nachweist. Ab 50 (Männer) bzw. 55 (Frauen) besteht dann Anspruch auf eine Darmspiegelung (Koloskopie), die bei unauffälligem Befund nach zehn Jahren wiederholt werden kann.

Die Koloskopie hat einen schlechten Ruf – aber Hand aufs Herz: Die meisten, die sie hinter sich haben, sagen, dass die Vorbereitung (das Trinken der Abführlösung) deutlich unangenehmer war als die eigentliche Untersuchung. Unter Sedierung bekommt man davon ohnehin nichts mit. Und der Nutzen ist wissenschaftlich hervorragend belegt: Polypen werden direkt entfernt, bevor sie entarten können.

Seit 2019 gibt es ein organisiertes Einladungsverfahren für die Darmkrebsvorsorge. Versicherte ab 50 erhalten von ihrer Kasse ein Informationsschreiben mit einer Einladung zur Beratung. Das Programm wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossen und soll die Teilnahmequoten erhöhen.

Vorsorge für Kinder: U-Untersuchungen von U1 bis U9

Gesundheitsvorsorge in Deutschland: Welche Untersuchungen zahlt die Kasse? - illustration

Eltern kennen das gelbe Heft: die U-Untersuchungen. Von der U1 direkt nach der Geburt bis zur U9 mit etwa fünf Jahren begleiten diese zehn Untersuchungen die kindliche Entwicklung engmaschig. Seit 2008 gibt es zusätzlich die U7a (zwischen U7 und U8), die eine Lücke im dritten Lebensjahr schließt.

Die U-Untersuchungen sind mehr als nur Wiegen und Messen. Der Kinderarzt überprüft die motorische, sprachliche und soziale Entwicklung, das Hörvermögen, die Sehfähigkeit und den Impfstatus. In einigen Bundesländern – etwa in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg – sind die U-Untersuchungen sogar verpflichtend. Das heißt: Wer sie versäumt, bekommt Post vom Jugendamt.

Ein Punkt, der Eltern häufig verunsichert: Wenn der Kinderarzt bei einer U-Untersuchung Auffälligkeiten feststellt, bedeutet das nicht automatisch, dass etwas "nicht stimmt". Kinder entwickeln sich in unterschiedlichem Tempo. Aber die frühe Erkennung von Entwicklungsverzögerungen ermöglicht eben auch frühe Förderung – und das macht einen enormen Unterschied.

J1 und J2: Vorsorge für Jugendliche

Zwischen 12 und 14 Jahren steht die J1 an – die einzige Vorsorgeuntersuchung speziell für Jugendliche, die von allen Kassen bezahlt wird. Hier geht es um den pubertären Entwicklungsstand, Impfauffrischungen, aber auch um Themen wie Ernährung, Bewegung, Medienkonsum und psychische Gesundheit. Gerade in der Pubertät fallen viele gesundheitliche Weichenstellungen – trotzdem liegt die Teilnahmequote bei der J1 nur bei etwa 45 Prozent.

Die J2 (16 bis 17 Jahre) wird von vielen, aber nicht allen Kassen übernommen. Sie ist keine Regelleistung der GKV, sondern eine empfohlene Zusatzleistung. Wer sie in Anspruch nehmen möchte, sollte vorher bei der Kasse nachfragen.

Zahnvorsorge und das Bonusheft: Bares Geld wert

Das Zahnvorsorge-Bonusheft ist wahrscheinlich das Vorsorgeinstrument mit dem direktesten finanziellen Anreiz. Wer mindestens fünf Jahre lang die jährliche zahnärztliche Kontrolluntersuchung lückenlos nachweisen kann, bekommt bei Zahnersatz einen um 10 Prozent erhöhten Festzuschuss von der Kasse. Nach zehn Jahren steigt der Bonus auf 15 Prozent.

Klingt nach wenig? Bei einer Krone, die schnell 500 bis 800 Euro kosten kann, macht das durchaus einen spürbaren Unterschied. Und für Kinder zwischen 6 und 17 Jahren gehört zusätzlich die halbjährliche Individualprophylaxe (IP1 bis IP4) zum Leistungskatalog – inklusive Fissurenversiegelung der bleibenden Backenzähne.

Erwachsene ab 18 haben Anspruch auf eine Zahnsteinentfernung pro Jahr. Die professionelle Zahnreinigung (PZR) hingegen ist keine Kassenleistung, wird aber von vielen Kassen als Satzungsleistung bezuschusst. Hier lohnt sich ein Blick in die Leistungstabelle der eigenen Krankenkasse – die Unterschiede sind erheblich.

Impfungen: Vorsorge, die oft vergessen wird

Streng genommen gehören Impfungen nicht zur Früherkennung, aber sie sind ein zentraler Baustein der Gesundheitsvorsorge. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch Institut gibt regelmäßig aktualisierte Empfehlungen heraus – und die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen alle von der STIKO empfohlenen Impfungen.

Für Erwachsene sind besonders relevant: die Auffrischung von Tetanus und Diphtherie (alle zehn Jahre), die jährliche Grippeimpfung ab 60 Jahren (oder bei chronischen Erkrankungen), die Pneumokokken-Impfung ab 60, und seit 2018 die Gürtelrose-Impfung (Herpes Zoster) ab 60 Jahren bzw. ab 50 bei Risikopatienten.

Apropos Impfpass: Haben Sie Ihren noch? Viele Patienten berichten, dass sie ihren Impfausweis seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Beim nächsten Arztbesuch einfach das Thema ansprechen – der Impfstatus lässt sich rekonstruieren, und fehlende Impfungen können nachgeholt werden.

Schwangerschaftsvorsorge: Engmaschig und umfassend

Die Vorsorge in der Schwangerschaft verdient eine gesonderte Erwähnung, weil sie besonders umfangreich ist. Laut Mutterschaftsrichtlinien stehen werdenden Müttern etwa zehn bis zwölf Vorsorgeuntersuchungen zu, die im Mutterpass dokumentiert werden. Dazu gehören regelmäßige Blutdruck- und Gewichtskontrollen, Blut- und Urinuntersuchungen, drei Ultraschalluntersuchungen (in der 9.-12., 19.-22. und 29.-32. Schwangerschaftswoche) und der Zuckerbelastungstest auf Schwangerschaftsdiabetes.

Die Kosten trägt vollständig die Krankenkasse. Darüber hinaus bieten viele Gynäkologen in Berlin, München und anderen Großstädten zusätzliche IGeL-Leistungen an (Toxoplasmose-Test, Ersttrimester-Screening, 3D-Ultraschall). Hier sollten werdende Eltern genau abwägen, was medizinisch sinnvoll ist und was eher dem Wunsch nach Sicherheit entspricht.

Vorsorge-Übersicht nach Alter und Geschlecht

AlterUntersuchungGeschlechtIntervall
0–6 JahreU1 bis U9 KindervorsorgeAlle10 Termine nach Zeitplan
6–17 JahreZahnärztliche IndividualprophylaxeAlleHalbjährlich
12–14 JahreJ1 JugendgesundheitsuntersuchungAlleEinmalig
18–34 JahreEinmaliger Gesundheits-Check-upAlleEinmalig
Ab 20Genitaluntersuchung (Zervixkarzinom)FrauenJährlich
Ab 30Brustkrebsfrüherkennung (Abtasten)FrauenJährlich
Ab 35Check-up 35AlleAlle 3 Jahre
Ab 35HautkrebsscreeningAlleAlle 2 Jahre
Ab 45ProstatakrebsfrüherkennungMännerJährlich
Ab 50Stuhltest (iFOBT)AlleJährlich
Ab 50 / 55DarmspiegelungM ab 50, F ab 55Alle 10 Jahre
50–75Mammographie-ScreeningFrauenAlle 2 Jahre
Ab 65Bauchaortenaneurysma-ScreeningMännerEinmalig

Warum nehmen so wenige Deutsche die Vorsorge wahr?

Trotz des umfangreichen Angebots sind die Teilnahmequoten ernüchternd. Beim Check-up 35 liegt die Quote bei geschätzten 40 bis 50 Prozent, bei der Darmkrebsvorsorge noch niedriger. Woran liegt das?

Die Gründe sind vielfältig. Zeitmangel spielt eine Rolle, keine Frage. Aber auch eine gewisse Grundhaltung: "Mir geht es doch gut, warum soll ich zum Arzt?" Das ist nachvollziehbar, aber eben auch riskant. Viele Erkrankungen – Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Darmpolypen – entwickeln sich schleichend und ohne Symptome.

Dann gibt es die Angst vor dem Ergebnis. Was, wenn etwas gefunden wird? Diese Sorge ist menschlich, aber die Logik spricht dagegen: Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser die Behandlungschancen. Darmkrebs im Frühstadium hat eine Fünf-Jahres-Überlebensrate von über 90 Prozent. Im Spätstadium liegt sie unter 15 Prozent. Solche Zahlen sollten eigentlich jeden überzeugen.

Die Krankenkassen versuchen seit Jahren, die Teilnahme zu steigern. Bonusprogramme, Erinnerungsschreiben, Gesundheits-Apps – die Werkzeuge sind da. Was fehlt, ist oft das Bewusstsein im Alltag. Der Hausarzt in Ihrer Nähe kann hier eine Schlüsselrolle spielen: Sprechen Sie beim nächsten Besuch einfach an, welche Vorsorgetermine bei Ihnen anstehen.

Kassenleistung vs. IGeL: Wo ist die Grenze?

Ein Thema, das regelmäßig für Diskussionen sorgt: Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL. Das sind Untersuchungen und Behandlungen, die nicht im Leistungskatalog der GKV enthalten sind und privat bezahlt werden müssen. Augeninnendruck-Messung zur Glaukom-Früherkennung, PSA-Test, erweiterte Ultraschall-Untersuchungen – die Liste ist lang.

Sind IGeL sinnvoll? Das kommt drauf an. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund bewertet den Nutzen vieler dieser Leistungen als "unklar" oder sogar "tendenziell negativ". Das heißt nicht, dass sie generell nutzlos sind – aber es heißt, dass Sie sich vor der Entscheidung informieren sollten. Fragen Sie Ihren Arzt in Hamburg, Köln oder wo auch immer Sie leben, nach der konkreten Studienlage.

Vorsorge-Tipps: So holen Sie das Maximum heraus

Nach all den Informationen – was können Sie konkret tun, um das deutsche Vorsorgeprogramm optimal zu nutzen? Hier ein paar pragmatische Hinweise, die sich in der Praxis bewährt haben.

Erstens: Führen Sie eine einfache Liste Ihrer Vorsorgetermine. Wann war der letzte Check-up? Wann das Hautkrebsscreening? Wann die letzte Zahnkontrolle? Ein Blick in den Kalender reicht. Manche nutzen dafür die App ihrer Krankenkasse – fast alle großen Kassen bieten mittlerweile digitale Erinnerungsfunktionen.

Zweitens: Kombinieren Sie Termine. Wenn Sie ohnehin zum Hausarzt gehen, fragen Sie nach dem Check-up oder dem Hautkrebsscreening. Das spart einen zusätzlichen Termin. Viele Hausarztpraxen in Frankfurt, Stuttgart oder Düsseldorf bieten mehrere Vorsorgeuntersuchungen am selben Tag an.

Drittens: Vergessen Sie das Bonusheft nicht. Ein lückenloser Nachweis über fünf oder zehn Jahre kann Ihnen bei Zahnersatz mehrere hundert Euro sparen. Den Stempel bekommen Sie bei jedem Kontrolltermin automatisch – Sie müssen nur das Heft mitbringen.

Und viertens: Sprechen Sie mit Ihrer Familie. Vorsorge ist auch ein Familienthema. Wenn Sie Kinder haben, achten Sie auf die U-Untersuchungen und die J1. Und erinnern Sie auch Ihre Eltern an die Darmkrebsvorsorge – gerade die Generation 50+ profitiert am meisten von regelmäßiger Früherkennung.

Häufig gestellte Fragen zur Gesundheitsvorsorge

Welche Vorsorgeuntersuchungen zahlt die gesetzliche Krankenkasse?

Die GKV übernimmt alle im Sozialgesetzbuch V festgelegten Früherkennungsuntersuchungen ohne Zuzahlung. Dazu gehören der Check-up 35 (alle drei Jahre), jährliche Krebsvorsorge (je nach Alter und Geschlecht), Hautkrebsscreening ab 35 (alle zwei Jahre), Darmkrebsvorsorge ab 50, Mammographie-Screening für Frauen zwischen 50 und 75, alle U-Untersuchungen für Kinder sowie die J1 für Jugendliche. Auch alle von der STIKO empfohlenen Impfungen werden vollständig übernommen.

Ab welchem Alter kann ich den Check-up 35 machen?

Der Name ist etwas irreführend: Zwischen 18 und 34 Jahren gibt es einen einmaligen Gesundheits-Check-up. Ab 35 Jahren haben Sie dann alle drei Jahre Anspruch auf den Check-up 35. Beide Untersuchungen werden von Ihrem Hausarzt durchgeführt und umfassen Blutuntersuchung, Urintest, Blutdruckmessung und körperliche Untersuchung.

Wie oft sollte ich zur Krebsvorsorge gehen?

Das hängt von Ihrem Alter und Geschlecht ab. Frauen ab 20 sollten jährlich zur gynäkologischen Krebsvorsorge, Männer ab 45 jährlich zur Prostata-Früherkennung. Das Hautkrebsscreening steht ab 35 alle zwei Jahre an. Für die Darmkrebsvorsorge gilt: jährlicher Stuhltest ab 50, Darmspiegelung ab 50 (Männer) bzw. 55 (Frauen), dann alle zehn Jahre bei unauffälligem Befund.

Was bringt mir das Zahnarzt-Bonusheft?

Das Bonusheft dokumentiert Ihre regelmäßigen Zahnarztbesuche. Bei lückenlosen Stempeln über fünf Jahre erhalten Sie 70 Prozent statt 60 Prozent Festzuschuss für Zahnersatz, nach zehn Jahren sogar 75 Prozent. Bei einer teuren Zahnbehandlung kann das mehrere hundert Euro Unterschied ausmachen. Für Kinder und Jugendliche (6–17) sind halbjährliche Kontrolltermine vorgesehen.

Muss ich Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen?

Für Erwachsene besteht keine gesetzliche Pflicht zur Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen. Bei U-Untersuchungen für Kinder ist das je nach Bundesland unterschiedlich: In Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und einigen anderen Ländern besteht eine Teilnahmepflicht, deren Nichteinhaltung dem Jugendamt gemeldet wird. Für Erwachsene gibt es lediglich finanzielle Anreize über Bonusprogramme der Krankenkassen.

Den richtigen Arzt für Ihre Vorsorge finden

Am Ende steht die praktische Frage: Wo finde ich den passenden Arzt für meine Vorsorgeuntersuchung? Nicht jeder Hausarzt bietet Hautkrebsscreenings an (dafür braucht es eine Zusatzqualifikation), und für bestimmte Untersuchungen benötigen Sie einen Facharzt.

Auf gesundheits-finder.de können Sie gezielt nach Allgemeinmedizinern, Dermatologen, Gynäkologen, Urologen und Gastroenterologen in Ihrer Nähe suchen. Ob Sie in Berlin, München, Hamburg oder einer kleineren Stadt leben – nutzen Sie die Suchfunktion, um einen Arzt zu finden, der die gewünschte Vorsorgeuntersuchung anbietet.

Denn eines ist sicher: Die beste Vorsorge nützt nichts, wenn man sie nicht wahrnimmt. Und der erste Schritt ist immer derselbe – einen Termin machen.

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